Echte Kerle und Stasi-Targeting mit Plüschcharakter
Nachdem Sabinesurft Euch den BlackBerry Man nähergebracht hat, wollte ich Euch eigentlich -gewissermaßen als Gegengewicht und Testosteron-Booster- daran teilhaben lassen, womit ich mir heute den Feierabend versüßt habe: Bear Grylls war mal wieder bei Kabel 1 Discovery unterwegs, hat Pythons gegessen und dabei niedlich ausgesehen. Grund genug für einen Post, dachte ich mir.
Allerdings gibt seine Website www.beargrylls.com nicht genug her für einen Surftipp. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, aber irgendwie war das Wilderness-Feeling direkt weg, als ich auf der Startseite gelandet bin. Nun gut, dann also harte Fakten vor dem Schlafengehen.
Was mich neben echtem Männerfernsehen noch begeistert ist der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio. Wahrscheinlich, da ich Jahre meines Lebens bei einem privaten Radiosender verbracht habe… versteht mich nicht falsch, diese Zeit will ich nicht missen. Aber irgendwie tut ein hoher Wortanteil furchtbar gut und für den Großteil aktueller Musik bin ich nicht die Zielgruppe.
Galante Überleitung zum eigentlichen Thema: im Deutschlandradio gab es vor Kurzem einen Bericht über das Online Marketing. Selbstredend mit ausgesprochen kritischem, nahezu paranoidem und mahnendem Ton: Virtuelle Offerten - Personalisierte Werbung im Internet von Ralf Bei der Kellen. Die Wurzel allen Übels: das Targeting. Nun, das überrascht nicht. Auf meiner letzten SMX ist ein Professor bei der Erwähnung des Wortes fast ohnmächtig geworden - jedes Mal. Im Panel für Targeting keine ungefährliche Sache.
Was mir bei dem Beitrag allerdings sehr gefiel, war die erwähnte amerikanische Seite, auf der Kinder nach “Stasi-Manier” über ihre Eltern befragt werden und zum Denunzieren angeregt werden. Leider wurde diese Seite natürlich namentlich nicht erwähnt, was Recherche-Arbeit bedeutet. Mein erstes Ziel: AdoptMe.com.
Nachdem ich mein Kätzchen etwa 10x geduscht, gefüttert, gekrault und gebürstet habe, es mir auf das Bett gepinkelt hat und den zweiten Platz in einer Tiershow gewonnen hat, bin ich noch nicht nach meinen Eltern befragt worden, dafür um ein Haustier reicher. Da es noch unzählige Virtuelle Tiere da draußen gibt, die ich jämmerlich verhungern lassen könnte, lasse ich von der Idee ab, die besagte Website zu finden und appelliere an Euch: wenn Ihr diese monströse Website kennt, sagt mir bescheid!
Was ist allerdings das Problem mit dem Targeting? Die reine Erwähnung personenbezogener Daten hat die Macht, Hörer zu fesseln und Panik ins Schrankwand-Wohnzimmer zu pflanzen. Gerne bei denen, die bei jedem Einkauf die Karstadt-Kundenkarte zücken, um Prozente abzustauben. Warum ist das so?
Eine Erklärung dafür wäre, dass wir beim alltäglichen Einkauf unsere diversen Kundenkarten mit integriertem RFID-Chip und damit unser Einkaufsverhalten der netten Dame an der Kasse überreichen, die ein Gesicht hat. Selbstverständlich kennen wir den Konzern nicht wirklich, für den sie arbeitet. Aber sie ist eben da, spricht mit uns und ist greifbar. Unternehmen im Internet sind unsichtbar, fremd und damit bedrohlich. In der Psychologie spricht man in diesem Fall von Xenophobie, der Angst vor dem Fremden. Ist diese begründet? Wo liegen die Gefahren des Targeting?
Dass uns Produkte empfohlen werden, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie uns gefallen? Das kann es ja nun nicht sein. Der Basic Thinking Blog hilft hier auch nicht weiter. Ich kann mich nur dem dortigen Kommentar von Henric anschließen und auf Antworten warten: “Hat jemand ein Horrorszenario parat, das mich vom Gegenteil überzeugt?”
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